Gedanken zum Bauen

Unsere Arbeit mit Architektur setzt sich mit vielen unterschiedlichen Aspekten auseinander. Mit formalen architektonischen, technischen, praktischen und funktionalen, administrativen und nicht zuletzt auch mit ethisch moralischen Angelegenheiten und Gesichtspunkten. In der heutigen Architektur, sowohl im städtischen Zusammenhang, wie auch in ländlichen Bereichen, ist eine Orientierung zum angepassten, kulturlosen Reproduzieren von sogenannten regionalen Gestaltungsprinzipien und Gestaltungselementen zu beobachten. Diese werden sowohl von den zuständigen Instanzen, wie auch von der allgemeinen Volksmeinung getragen.

Dabei entsteht jedoch keine kulturelle Vorwärtsbewegung, sondern eher ein Verzicht auf diese und dadurch ein mittelalterliches Idyll mit Türmchen und Erkern. Ein Wohngebiet als Bauernhausreservat, wobei diese jedoch im Widerspruch zu der klaren und rationalen "alten" Architektur stehen. Es entstehen dadurch also Stadt- und Quartierbilder, die in einem "heimatlosen Heimatstil" glänzen und ein ähnliches Bild generieren, unabhängig vom Standort des Gebäudes. Ob nun im Süden oder im Norden unserer Republik.

Dem entgegen werden gute moderne Gebäude immer wieder kritisiert, weil sie sich nicht in den gegebenen visuellen Zusammenhang einfügen. Aber warum sollten sie? Gebäude müssen nicht zu ihren Nachbarn in der Straße passen, sondern in den umfassenden Zusammenhang aller Vorstellungen und Ideen, die Kultur ausmachen. Als Kunst und Wissenschaft zugleich, schwankt die Architektur beständig zwischen Kreativität und Funktionalismus.


Daher ist aus dieser Sichtweise eine Anlehnung an die Gestaltungsvorstellung des Bauhauses mit seinen Vertretern wie Walter Gropius und Hannes Mayer und eine Anlehnung an die Architekturauffassung von Le Corbusier näher, als ein sich Anbiedern an historische, von Formen und Dekor überladene Architekturen. Maßgebend ist in diesem Zusammenhang auch die Anlehnung an echte, die Region bestimmende Architekturformen, die in einer ruralen Architektur, am eindrücklichsten an Schuppen und einfachen Gebäuden, zum Ausdruck kommen. Dabei steht das Gebäude als Ganzes im Vordergrund. Die Gesamtheit des Bauwerks und gleichzeitig das kleinste Detail zeugen von einer optimalen Ausnutzung des vorhandenen Materials; verarbeitet mit einfachen Werkzeugen und mit entsprechendem handwerklichen Können.

Eine Suche nach den funktionalen Bedingungen und dem dadurch bedingten Sinn der Dinge ist in einer Gesellschaft, die den sogenannten Funktionalismus überwunden hat, sicher nicht attraktiv. Eine Zeit, die maßgebend durch Zeichen bestimmt ist, befriedigt den Geist einfacher mit Bildern und Zeichen der Dinge, als mit deren Inhalten. Dadurch verliert das Bauen seinen Sinn. Ein Verständnis für Bilder und Zeichen ist in einer Gesellschaft, die die Frage nach dem Sinn verloren hat, leichter zu erreichen, als eine Sinnfälligkeit in der Wechselbeziehung zwischen Material, Konstruktion und Form.
Michael Muffler